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Klaus Wunderlich war stets an vorderster Stelle, wenn es um die technische Umsetzung neuer Entwicklungen ging, sei es bei den ersten Stereoaufnahmen oder beim Einsatz immer neuer Instrumente. Mitte der sechziger Jahre kamen die ersten kommerziell nutzbaren Synthesizer auf den Markt.

Angeregt durch Wendy Carlos' Produktion Switched On Bach aus dem Jahr 1968 entschloss sich Klaus Wunderlich, den grossen Moog Synthesizer in die Welt der Unterhaltungsmusik zu bringen.

Nach ersten Versuchen ab etwa 1970 arbeitete Klaus Wunderlich in seinem Studio im Jahr 1973 intensiv mit dem neu erworbenen Moog System 55. Noch im selben Jahr erschien zunächst die Single Corn Flakes mit zwei Titeln, die auch auf der im gleichen Jahr folgenden ersten Langspielplatte Sound 2000 enthalten waren. Auf die Rückseite der LP schrieb Klaus Wunderlich für seine Fans Folgendes:

Lieber Schallplattenfreund,
ich habe vor, neben meinen beliebten Hammondorgel-LP-Serien, Ihnen von Zeit zu Zeit Spezialitäten aus meinem eigenen Studio zu servieren. Als Erstes stelle ich Ihnen auf dieser Langspielplatte meinen
MOOG-Synthesizer vor. Ein Synthesizer, Ihnen sicherlich von der Nummer „Popcorn“ her bekannt, bietet einem experimentierfreudigen Musiker und Techniker enorm viele Möglichkeiten, da man mit diesem Gerät praktisch alle vorkommenden Klänge und Geräusche „synthetisch“ erzeugen kann. – Lauschen Sie also den „vermeintlichen“ Posaunen-, Gitarren- oder Streichersätzen, lassen Sie bei RAINDROPS den Wind sein Lied erzählen oder versetzen Sie sich beim
KRIMOOGULUS mit Schüssen, Explosionen und abstrakten Klängen in die Unterwelt … Ein Synthesizer macht’s – elektronisch – möglich.
Mit einer Orgel hat so ein Synthesizer, außer der Tastatur, allerdings nicht viel gemeinsam. Er erfordert eine etwas andere Spielweise und ist außerdem nur einstimmig spielbar, sodass die Aufnahmen im Multiplayback-Verfahren hergestellt werden müssen. Auf dieser LP wurden einige Titel bis zu 12-mal überspielt. Meine gute alte Orgel durfte dabei 
auch am Rande teilweise mitwirken. – Die einzigen „normalen“ Instrumente auf dieser Platte sind Schlagzeug, Tambourin und Bongos. Alle anderen, auch den Bass und sogar die Kuhglocke, hat der Synthesizer produziert. Lassen Sie sich also überraschen.
Gute Unterhaltung beim Zuhören
 wünscht Ihnen 
Ihr
 Klaus Wunderlich

Mit der Produktion von Uraltedelschnulzensynthesizergags im darauffolgenden Jahr bewies Klaus Wunderlich, dass es möglich ist, eine Produktion vollständig auf dem Moog-Synthesizer einzuspielen. Die Titel dieser 1974 erschienenen LP hat nahezu jeder schon einmal irgendwo gehört. Mit seiner Musikalität programmierte Klaus Wunderlich hier scheinbar Unmögliches und spielte es in unglaublicher Kleinarbeit ein.
Er brachte seine gesamte Musikalität und sein technisches Verständnis für dieses neuartige Instrument in diese Produktion ein.

Obwohl einige der Titel bis heute gelegentlich zu hören sind, fand das Werk in der Szene der Synthesizer-Enthusiasten kaum Beachtung. Die Puristen lehnten es ab, weil es sich nicht um klassische Musik handelte, und Vertreter aus Rock und Pop zeigten wenig Interesse, da es in ihren Augen lediglich um schlichte Unterhaltungsmusik ging.

Im Jahr 1975 folgte die letzte LP, bei der der grosse Moog eingesetzt wurde, mit dem Titel Sound 2000 3. Hier brachte Klaus Wunderlich noch einmal all seine Fähigkeiten ein, um ein bislang unerreichtes Werk zu schaffen. Neben dem Moog kamen auch sämtliche Orgeln sowie der Bechstein-Flügel in seinem Studio zum Einsatz. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Wunderlich eine Produktion mit dem Titel Sound 2000 2 eingespielt, bei der er fast ausschliesslich mit seinem Flügel und den Möglichkeiten seines Studios experimentierte.
Wer sich die Aufnahmen heute anhört und weiss, wie aufwändig eine solche Produktion damals war, erkennt schnell, Klaus Wunderlich wurde allein aufgrund seines Images als Unterhaltungskünstler von der Synthesizer-Gemeinde stark unterschätzt.

1974 erschien die Langspielplatte Sound 2000. Auch bei dieser Produktion spielte der Moog eine zentrale Rolle. Klaus Wunderlich ergänzte die Synthesizerklänge bei dieser Produktion jedoch gezielt mit Sounds, die er mit seinen Orgeln erzeugte.

Die stetige klangliche Weiterentwicklung der Orgeln, die immer vielfältigere Klangfarben ermöglichten, führte schliesslich dazu, dass Klaus den grossen Synthesizer verkaufte. In der Folge setzte er nur noch den kompakten Minimoog ein, vor allem als Bassinstrument.

Der Minimoog

 

 

 

 

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