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Diese Seite basiert auf Informationen und der Arbeit von Alan Ashton, einem ehemaligen Moderator von BBC Radio Manchester. Die seite wird sporadisch aktualisiert, also schau  doch mal wieder vorbei, um weitere Geschichten zu lesen, von denen wir hoffen, dass Du sie interessant finden. Den Anfang macht:

 

CHRIS WAXMAN?
Chris Waxman. Ganz gleich, wie intensiv man sucht – man wird nie mehr als eine einzige Erstaufnahme dieses „Künstlers“ finden. Der Name wurde von einem Decca-Presseagenten erfunden für die 1968 in Großbritannien erschienene Decca-Veröffentlichung ORGANIZED. Später wurde diese jedoch erneut herausgebracht und diesmal unter dem Titel HAMMOND SENSATION – nun aber unter dem richtigen Namen Klaus Wunderlich!
Der Grund für die ursprüngliche britische Veröffentlichung unter dem Namen Chris Waxman war die Annahme, dass britische Plattensammler mit dem „germanischen“ Namen nichts anfangen könnten. Ein Komiker behauptete, das sei so, weil „sie unsere Fish-&-Chip-Läden bombardiert hätten“!

 



K. Lauer?
Unter dem Namen K. Lauer hat Klaus Wunderlich eine ganze Reihe von Kompositionen veröffentlicht, ohne dabei seinen eignen Namen zu verwenden. Ein klarer Grund ist nicht ersichtlich. Vermutlich wollte er mit dem Pseudonym seinen in ihm steckenden Komödianten und seinen Witz zur Geltung bringen.
Ganz unscheinbar hat er jedoch eine ganze Reihe, zum Teil sehr bemerkenswerter Kompositionen an verschiedenen Stellen in seinem Werk untergebracht.
Ganz speziell ist hier eine Ouvertüre zu erwähnen welche er 1973 extra für eine Plattenproduktion im Auftrag der Firma Wersi gemacht hat. Die Wersi Orgel W248S war quasi der Stammvater der Wersi Instrumente und Klaus hat eine solche Orgel selber zusammengebaut. Was er mit der Ouvertüre «Wersirama» erschaffen hat, lässt sich kaum in Worte fassen. Eine Ouvertüre welche sich auch vor klassischen Werken nicht verstecken muss. Er hat dabei alle Möglichekeiten des neuen Instruments in dieses Werk verpackt, sodass diese Arbeit nicht nur Musikalisch heraussticht, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der damals zur Verfügung stehenden Technik unglaublich war. So etwas hat vor und nach ihm niemand auch nur annähern zustande gebracht. 
Hier die Ouverture Wersirama von K. Lauer.

 

 



KWAS?
AM ANFANG... als die LPs von Klaus Wunderlich immer populärer wurden, war es ein gewisser Peter Barnett von Selecta/Decca Records (UK), einer Tochterfirma von Telefunken Records (Deutschland), der Klaus vorschlug, vielleicht einen britischen Fanclub ins Leben zu rufen. Klaus verabscheute jedoch den Begriff „Fanclub“ in jeglicher Form. Daher einigte man sich darauf, ihn KLAUS WUNDERLICH APPRECIATION SOCIETY (KWAS) zu nennen.

Der erste Brief an die ursprünglichen KWAS-Mitglieder wurde 1977 verschickt, verfasst von Peter Barnett, und enthielt auch eine besondere Botschaft von Klaus an Miss Dorothy Timmins. Dies geschah auf Anregung Barnetts, der glaubte, dass sie die ideale Person wäre, um den KWAS zu leiten. Interessanterweise war das Schreiben – trotz seiner Abneigung gegen das Wort „Fanclub“ – an seine „vielen Fans“ unterzeichnet!

In der Küstenstadt Blackpool im Nordwesten Englands hatte eine Miss Dorothy Timmins in einem örtlichen Musikgeschäft eine Kopie von HAMMOND CONCERTO gekauft und, da sie gerade erst begonnen hatte, Hammond-Orgel zu spielen, war sie von der Aufnahme so begeistert, dass sie sofort eine besondere Begeisterung für Klaus Wunderlich entwickelte.

 

Aufnahmen auf 8-mm-Stumm-Film sind auf YouTube zu finden. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, dass Klaus auf einer geliehenen Hammond-Orgel spielt – allerdings sitzend auf einem Tisch, da der Lieferant es versäumt hatte, eine Orgelbank zuzustellen. Inzwischen war die KWAS-Mitgliedschaft bereits dreistellig, und jener Amateurfilm wurde im April 1977 im Penta Hotel in London aufgenommen. Die anwesenden Mitglieder zahlten damals die stolze Summe von £7 für ein Buffet, nach dem Klaus für die Gäste und die eingeladenen Pressevertreter ein improvisiertes Konzert gab.

Zu dieser Zeit war Dorothy Timmins bereits als erste UK-Repräsentantin der neuen und aufstrebenden Gesellschaft eingesetzt worden – eine Position, die sie bis zum Zerbrechen ihrer Ehe innehatte. Ende 1977 musste sie das Amt schweren Herzens niederlegen, blieb jedoch bis zu ihrem Tod im Oktober 2021 eine treue Verehrerin und Sammlerin seiner Musik.



Die allererste Schallplatte von Klaus Wunderlich "Hammond-Sensationen" erschien 1958 und war eine EP (Extended Play) Platte auf welche insgesammt vier Titel passten. Damit dies funktionierte wurde ein für die Zeit neues Verfahren angewandt. Das "Füllschrift" Verfahren, bei welchem die Spurrille auf der Platte dem Inhalt angepasst wurde. Füllschrift ist ein Verfahren nach Eduard Rhein, das durch variablen Rillenvorschub die Spieldauer von Schallplatten erheblich verlängerte, indem es die Rillenbreite und den Abstand dynamisch an das Audiosignal anpasste, um Platz zu sparen, was die Verbreitung von Langspielplatten (LPs) ermöglichte und auf Labels oft durch den Schriftzug "Füllschrift" oder ein entsprechendes Symbol beworben wurde.

Hier ein Tondokument von dieser Platte, welche noch mit 45 Touren abgespielt werden musste (Ausschnitt).

 

 

Hier der Vollständige Text welcher auf der Rückseite abgedruckt wurde.

Hammond Sensationen
Das Prädikat „SENSATIONELL* kann nur dann überzeugen. wenn es sich auf solche Voraussetzungen stützt, wie sie KLAUS WUNDERLICH in die Rillen dieser Schallplatte hineingezaubert hat. Aufnahmeleiter, Toningenieur, Cutterin, Studioassistent und die Solisten am Bass und am Schlagzeug blickten — oder vielmehr hörten - verblüfft auf den Spieler hinter den Manualen unserer Hamburger Studio-Orgel. Hier entfaltete sich in bisher noch nicht dagewesenem Format eine neue Art, mit der Hammond-Orgel umzugehen. 
KLAUS WUNDEKLICH (Nomen est omen ...) präsentiert Weltklasse von internationalem Gepräge made in Germany", und darauf können wir mit Recht stolz sein.
Saubere, bei konsequenter Bassführung sehr moderne Harmoniefolgen unterstützen die stilistische Phrasierung. Zugleich mit unglaublicher Beherrschung des Pedals, des sog. Schwellers, erlebt man eine unübertreffbare Registrierfreude, welche volle Bigband-Effekte gleichermassen vermittelt wie einen Klang im sog. „Shearing-Satz" oder aber gemischte Akkordfiguren, wie sie einst das Benny-Goodman-Sextett bot. Dass man inspirierte Chorusse hört, wie sie von Elektro-Gitarre oder Klarinette gespielt würden, schliesst nicht aus, dass auch tiefe Saxophon-Satze aufklingen. Dort, wo der typische Klang der volten Hammond Orgel auftritt, passt seine Wirkung genau in den Arrangementsablauf hinein, und eine andere Mixtur würde die ausgewogene Balance der Spezialbearbeitungen von Klaus Wunderlich nur stören.
1930 in Chemnitz geboren, erlebte er seinen beruflichen Auftakt als Pianist und Arrangeur verschiedener Tanzkapellen, bis ihn seine Engagements schliesslich nach Mannheim führten. In aller Stille, aber mit der Unbeirrbarkeit eines Besessenen, hatte er inzwischen die Möglichkeiten der Hammond-Orgel radikal umgestaltet und durch eigene Spezialitäten so erweitert, dass er heute konkurrenzlos über eine ganz individuelle Spieltechnik verfügt, die einfach sensationell ist. Als ein Tonband mit Probeaufnahmen für einen Rundfunksender in die Hände unseres Aufnahmeleiters Dr. Pätzig gelangte, ging alles Weitere sehr schnell. Wir glauben, dass Klaus Wunderlich genau die richtigen Register gezogen hat, um durch farbige Klangfülle, rhythmische Eleganz und moderne Stilistik alle Freunde von gepflegter Tanzmusik für seine „HAMMOND-SENSATIONEN* zu begeistern.
 Günter H. Borchert

(Über Günther H. Borchert ist sehr wenig bekannt. Er war in der Zeit ein leitender Teldec Studio-Mitarbeiter, welcher unter Anderem verschiedene Texte für Plattencover verfasst hatte)


Weitere interessante Informationen zu den Schallplattenproduktionen von Klaus Wunderlich findest Du - hier